Undine Uhlig
Undine Uhlig

Wasser

 

Es tritt aus Felsen und Spalten,

Will mit Beständigkeit gestalten.

Dann tröpfelt es und rinnt

Bis ein neuer Bachlauf beginnt.

 

Oft webt es Wasserschleier

So sacht über Moose und Zweige,

Oder es spritzt und sprüht,

Um Lebendigkeit bemüht.

 

Es flüstert und murmelt und gluckert,

Und wirbelt und strudelt und blubbert.

Auch rauscht es freudig und klar

Und plätschert hell und durchsichtig sogar.

 

Später baut es Inseln aus Kies und Sand,

Verknüpft sich zu einem glitzernden Band.

Endlich will es strömen und fließen

Und sich in das offene Meer ergießen.

 

Im Spiel mit dem Wind kann es wogen

Und gegen Riffe und Steilwände tosen.

Der lange Weg des Wassers ist nicht vergebens,

Denn das Meer ist der Ursprung und die Quelle allen Lebens.

 

(16. April 2019)

 

 

Was ich kann

 

Ich kann nicht auf Wolken schweben,

Ich kann mich nicht auf Blüten legen,

In frischem Schnee sinke ich ein,

So leicht kann ich wohl niemals sein.

 

Aber ich kann eisigem Sturm widerstehen,

Barfuß über spitze und heiße Steine gehen,

Und ich kann beim Tauchen den Wasserdruck besiegen,

Und im Gebirge auf hartem Untergrund liegen.

 

Und ich kann reglos auf dem Wasser treiben,

Im Wald alles aufnehmen und lange stehen bleiben,

Und ich kann mich der Musik beim Tanzen hingeben

Und Malen als innere Wohltat erleben.

 

Und ich kann Farben in einem Tautropfen entdecken,

In meiner Phantasie bunte Zukunftswelten erwecken,

Und ich kann über glitzernde Schneekristalle staunen

Und jeden Tag auf´s Neue die Wunder des Lebens schauen.

 

(7. Februar 2019)

 

 

Winter

 

Schnee fällt endlos, sendet mir Trost und Ruh,

Deckt alles Unschöne und auch die Sorgen zu,

Umhüllt sanft jeden Zweig, jedes Efeublatt,

Farben verzehren sich, werden weich und matt.

 

Ich entdecke Schneeflocken, die tanzen und schweben,

Die Zeit bleibt stehn und damit auch mein Leben.

Ich meine, in diesem unendlichen Weiß zu versinken,

Alles loszulassen und mich an nichts mehr zu binden.

 

(15. Januar 2019)

 

 

Thanninger Weiher

 

Der Wind treibt Blätter über den dunklen Weiher.

Im Wasser tanzen die Spiegelbilder der Wälder.

Die Sonne kämpft sich durch einen Nebelschleier,

Und die Luft, die ich atme, wird kälter.

 

Aber ich nehme die Stille dankend in mir auf. -

Meinen Heimweg schmücken Eicheln und buntes Laub.

 

(23. Oktober 2018)

 

 

Herbstmorgen am Brauneck

 

Mich durchdringt die Stille zwischen den Almen.

In den Wäldern nehme ich die Kühle an.

Rinnsale glitzern mit goldenem Schein.

Mehr brauche ich nicht, um da zu sein.

 

Vögel und Grillen sind nicht mehr zu hören.

Nur Alpendohlen gleiten leicht dahin.

Leuchtend rotes Laub will mich betören;

Ein Zustand, in dem ich gefangen bin.

 

Ein sanfter Windhauch berührt mein Gesicht,

konkurriert behutsam mit dem Sonnenlicht.

Am Horizont streben Bergriesen ins Blau;

Nur die Ungewissheit kenne ich leider genau.

 

(16. Oktober 2018)

 

 

Frangipani

 

Blüten am Baum, die mich mit Duft umhüllen. -

Ein Windhauch weht sie hinab in den Sand,

Doch ich fange sie auf mit sanfter Hand.

Eine Glasschale kann ich damit befüllen.

 

Nach einigen Tagen ist das Wunder vergangen.

Ich entdecke es - tränenverhangen.

 

(28. September 2018)

 

 

Sonnenuntergang in Tejeda, Gran Canaria

 

Roter Mohn, mit dem Sonnenlicht verwoben,

Berge, die im Blau des Himmels wogen.

Ein Felsen, eingerahmt von rotem Lichterkranz,

Ich zerfließe in der wundervollen Kühle ganz.

 

(27. September 2018)

 

 

 

 

 

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© Dr. Undine Uhlig, Geretsried