Undine Uhlig
Undine Uhlig

 Ankommen

 

Ich bin nun schon fast zwei Wochen in meiner neuen Klinik. Vieles Neue strömt auf mich ein und ich muss mich jeden Tag, jede Stunde neu sortieren. Was von diesen vielen Dingen ist wichtig und wirklich dringend?

Für mich hatten die Therapiestunden für meine Patienten jeden Tag oberste Priorität. Alles andere, vor allem Organisatorisches, habe ich hinten angestellt.

Heute Abend nun habe ich zum ersten Mal das Gefühl, angekommen zu sein. Ich sitze am Inn, Bienen umsummen mich und Grillen zirpen. Ansonsten ist Stille.

Ich erfreue mich an den Leuchten der Goldruten in der Abendsonne und an dem süßlichen Geruch des indischen Springkrautes. Ich bin erfüllt von der beglückenden Wahrnehmung des Lebens.

9.9.2021

 

 

 Demut

 

Zufrieden zu sein mit den kleinen, dennoch wertvollen Dingen im Leben, ist für mich Demut. So bin ich dankbar für die kollegiale Unterstützung und Wertschätzung, die ich in meiner Fachklinik ein Jahr lang erfahren habe.

Ich musste den Einstieg finden in ein für mich völlig neues Arbeitsgebiet. Ich bin auf diesem Abschnitt meines Lebensweges getragen und leicht gegangen, habe achtsam geschaut, was links und rechts vom Weg liegt und dies als Wegzehrung genossen.

Beim aufmerksamen Zuhören konnte ich meinen ideellen Reichtum vermehren. Jeden Tag habe ich genutzt, um mir die für mich wichtigen Werte im Leben bewusst zu machen.

29.7.2021

 

 

 Abschied

 

Manchmal gehört zu einem Berufsleben auch ein Abschied von KollegInnen und PatientInnen, die einem im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen sind. Nun steht mir bald ein Abschied bevor, da ich eine neue Herausforderung an einer anderen Klinik annehmen werde.

Ich habe die innere Verbindung zu diesen Menschen bis vor kurzem gar nicht gespürt. Erst jetzt, da der Abschied immer näher rückt, wird mir dies erstmals richtig bewusst und ich bin sehr traurig.

Aber ich möchte diesen Abschied nicht verkürzen oder unterdrücken. Ich möchte ihn ausleben und bewusst annehmen.

Eine Kollegin hat sich heute schon von mir verabschiedet und mir ein kleines Geschenk überreicht. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn das erleichtert mir den Abschied und den Übergang zu etwas Neuem sehr.

27.7.2021

 

 

 Sprünge

 

Die meisten Patienten haben ein Anliegen, einen Wunsch oder ein Ziel, mit dem sie zu mir in die Tanztherapie kommen. Jede Stunde plane oder gestalte ich daher so, dass die Patienten ihrem Ziel ein Stück näher kommen. 

Natürlich ist nicht jeder Tag wie der andere. Manchmal geht es den Patienten auch nicht so gut. Dann biete ich Themen zur Stabilisierung an. Aber manchmal gibt es auch im Verlauf einer Therapie große Fortschritte, die ich gern im übertragenen Sinn SPRÜNGE nenne. Plötzlich gelingt etwas, um was man sich lange Zeit erfolglos bemüht hat.

Es wird immer wieder diskutiert, ob eine Therapie in einer linearen Kurve verläuft oder in Ringen, Kreisen oder Spiralen. Mir gefällt die Vorstellung einer Spirale ganz gut. Ich ziehe einen leicht ansteigenden Kreis. Am Endpunkt meines Kreises schließt sich dieser von oben betrachtet. Von der Seite jedoch gesehen, bin ich über meinem Ausgangspunkt, habe also einen Sprung gemacht.

Im Laufe eines Lebens schließt sich ja auch manchmal ein Kreis. Allerdings hat sich etwas summiert: Man hat Erfahrungen gesammelt, wie sich etwas gut bewältigen lässt, was einem leicht oder eben auch schwer fällt.

Entwicklungssprünge im Leben oder in einer Therapie erreichen wir in der Regel aber nur, wenn wir vorher etwas dafür getan haben.

Aber wir stolz und glücklich können wir dann auf solch einen sichtbaren Erfolg sein!

26.7.2021

 

 

 Entspannung

 

Entspannung bemerken wir vor allem im Nachlassen des Muskeltonus. Ein Muskel, der immer angspannt ist, schmerzt irgendwann. Viele Menschen spüren häufig schmerzhafte Verspannungen vor allem im Schulter-Nacken-Bereich.

Leider können wir nicht aktiv, also bewusst entspannen. Daher gibt es mittlerweile eine ganze Reihe Entspannungstechniken, die zum Teil auch in Kliniken zum Einsatz kommen.

Ich präferiere zur Zeit Übungen aus dem Qi Gong als so genannte bewegte Entspannung, aber auch Erdungs- und Atemübungen im Liegen sowie Elemente aus der Zen-Meditation. Damit habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht.

Die meisten Patienten benötigen etwas Zeit, bis sie ihre bevorzugte Entspannungsmethode gefunden haben. Dann bleiben wir über mehrere Therapiestunden bei dieser Methode.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse gehen davon aus, dass nach viermaliger Anwendung die Information in den Nervenbahnen gespeichert ist und sich der Entspannungseffekt bereits nach kürzerer Zeit einstellt.

Weitere positive Effekte der Entspannung für unseren Körper sind die Abnahme des Blutdrucks, die Erweiterung der Blutgefäße und die Reduzierung der Herzfrequenz.

19.7.2021

 

 

 Selbstreflexion

 

In der Psychotherapie ist häufig von blinden Flecken die Rede. Das sind Lebensbereiche, die man sich nicht näher anschauen möchte, die einem unangenehm sind. Daher muss jeder Psychotherapeut und natürlich auch wir Tanztherapeuten in der Ausbildung eine Lehrtherapie machen.

Unter erfahrener Führung bekommen wir Gelegenheit, unsere Lebensmuster zu reflektieren und unsere blinden Flecken peu á peu zu verkleinern.

Ich merke es an mir selbst, dass ich mich über andere Menschen, und seien sie noch so anders als ich, weniger aufrege oder ärgere. Ich kann Andersartigkeit nun besser annehmen, positiv umdeuten oder Teile davon sogar in mein Leben integrieren.

15.7.2021

 

 

 Selbstfürsorge

 

Was nimmt sich die Seele oder wie reagiert der Körper, wenn man nie an sich denkt und immer nur für andere da ist?

Viele Patienten kommen zu mir, weil sich ihr Körper nun nach langen Jahrzehnten der Überforderung mit schlimmen körperlichen und seelischen Krankheiten meldet. In der Therapie lernen sie nun für sich selbst zu sorgen. In einer Therapiestunde kann das eine Matte sein, ein Kissen oder eine Decke; im wirklichen Leben vielleicht Musik, Bilder, Fotos, eine Kerze, ein Tee.

Wenn ich für mich selbst sorge, ist das kein Egoismus! Damit schade ich ja niemanden. Ich muss doch die Kraft tanken, die ich brauche, um anschließend auch wieder für andere da zu sein oder auf Arbeit einen guten Job zu machen, leistungsfähig zu sein, mich konzentrieren zu können.

Selbstfürsorge lässt sich nachnähren. Es ist nie zu spät, endlich auch einmal an sich selbst zu denken.

8.7.2021

 

 Barfuß

 

Im Mai habe ich angefangen, mit meinen Patientinnen und Patienten im Außengelände der Klinik barfuß zu gehen. Gleich neben dem Gebäude schließt sich ein lichter Wald mit hohen Kiefern, Lärchen und Buchen an. Der Waldboden ist mit Laub, Gras und Moos bedeckt.

Am angenehmsten fanden viele das Moos, da es sich weich, warm und manchmal etwas feucht unter den Füßen anfühlt.

Es lohnt sich, auf diesem Waldboden langsam und achtsam zu gehen. Beim Vorwärtsgehen berühren zuerst die Fersen den Boden, beim Rückwärtsgehen setzen zuerst die Ballen auf.

Unsere Fußsohlen erhalten durch die leichten Unebenheiten eine wohltuende Massage. Gleichzeitig kräftigen wir unsere Fußmuskeln, die wir beim Gehen mit Schuhen auf geraden Wegen kaum noch beanspruchen.

13.6.2021

 

 Lieder

 

Während meiner Ausbildung zur Tanztherapeutin habe ich mich auch intensiv mit Liedern und Musikstücken beschäftigt, zu denen man sich in unterschiedlichen Qualitäten bewegen bzw. tanzen kann.

Mittlerweile habe ich ca. 1000 Lieder in meiner Sammlung, und ich lerne durch meine Patienten jeden Tage neue hinzu. So wies mich eine Patientin auf Holger Biege hin, einen Liedermacher aus der ehemaligen DDR, für den auch ich mit 15 Jahren geschwärmt habe. Einige Zeilen aus seinem Lied "Dein Gesicht" fielen mir wieder ein: "Denn jeder Tag schreibt dir und mir Geschichten ins Gesicht, und wer lesen kann, der übersieht sie nicht." Welch wunderschöne Poesie!

Ein anderer Patient hält große Stücke auf Ben Zucker, der mit seiner tiefen, rauchigen Stimme die deutsche Pop- und Rocklandschaft ganz außerordentlich bereichert.

Jüngere Patientinnen hören gern Jason Derulo und Tacabro - bisher weiße Gebiete auf meiner Musiklandkarte.

Eine Patientin, die ursprünglich aus Rumänien kommt, tanzt besonders gern zu Liedern von Jean de la Craiova aus Bukarest. Die Lieder sind gefällig poppig, aber seine Stimme hat eine interessante orientalische Nuance.

Welch eine wundervolle Bereicherung erfahre ich doch durch diese Menschen!

Kennen Sie auch Lieder, die Sie bewegen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir diese schrieben. Mein Kontaktformular finden Sie unter Diverses/Kontakt.

13.5.2021

 

 Erden

 

Das Erden ist eine Entspannungsübung, die ich lange Zeit unterschätzt und kaum angwandt habe.

Dabei hat diese Methode so etwas fundamental Menschliches, das sie von fast allen Patienten gerade in den ersten Therapiestunden gern angenommen wird.

Ich biete diese Übung im Liegen an - an einem Platz, den sich die Patienten im Raum oder auch im Freien selbst aussuchen können. Je näher der Platz der Erde ist, umso besser.

Dann bitte ich die Patienten ihre Aufmerksamkeit in ihr rechtes Bein zu lenken und den Kontakt zum Boden bzw. der Erde zu spüren. Wie fühlt sich dieser Kontakt an?

Anschließend geht es weiter ins linke Bein, dann in den rechten Arm, in den linken Arm, zum Rücken und zuletzt zum Hinterkopf. Diese Verbindung mit der Erde ist für die meisten sehr wohltuend und entspannend.

Mein ursprünglicher Beruf ist ja Geologin. Und so habe ich mich lange Zeit der Erde mit ihrer Vielzahl an Phänomenen hingegeben - nur auf eine andere Art und Weise eben.

Vielleicht entdecken auch Sie in dieser wärmeren Jahreszeit Ihre eigene, ganz spezielle Verbindung zur Erde. Ich wünsche Ihnen dabei ein genussvolles und entspanntes Innehalten.

12.5.2021

 

 Kleinigkeiten

 

Die kleinste Kleinigkeit, über die zur Zeit alle reden, ist das Corona-Virus. Aber etwas Positives habe ich über diesen Winzling noch nicht gehört...

Aber es gibt glücklicherweise noch weitere Kleinigkeiten, die weit angenehmer sind und über die man sich insbesondere an einem sonnigen Apriltag freuen kann:

Möven, deren Federkleid im Gegenlicht glitzert,

Wasser, das sich kräuselt, wenn eine sanfte Brise darüber weht,

Enten, die verträumt ihre Bahnen ziehen,

ein Schwan, der mit seinem langen, schmalen Hals nach Nahrung sucht,

Trauerweiden, deren zartgrüne Äste behutsam den Fluss berühren,

Sträucher, die sich über und über mit weißen, zarten Blüten schmücken...

Diese vielen Kleinigkeiten ergeben ein einzigartiges Gesamtkunstwerk, das ich nun täglich auf meinem Weg zur Arbeit bewundern kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch weitere, wunderbare Kleinigkeiten in diesem Frühling entdecken.

Tanken Sie nach diesem langen Winter Ihre Seele wieder auf!

27.4.2021

 

 Schwerkraft

 

Warum heben wir nicht ab und schweben ins endlose Universum?

Ja, die Schwerkraft hält uns auf der Erde zurück. Wir können die Erdanziehung nur aufheben, indem wir Energie und Kraft aufwenden. Unsere Muskeln arbeiten ständig gegen diese Schwerkraft, ganz egal, ob wir joggen, spazieren oder uns hinsetzen.

Interessanterweise wirkt die Schwerkraft weniger auf uns ein, wenn wir genau senkrecht zur Erde stehen. Sobald wir uns aber aus dieser senkrechten Achse hinaus bewegen, müssen wir unsere Muskeln anspannen. Das weiß jeder, der sich bückt und den Rücken aus der Senkrechten bringt.

Aber auch wenn wir unsere Arme oder Beine vorstrecken, müssen wir Kraft aufwenden.

Fast alle Tätigkeiten im Tagesablauf sind leider mit Anstrengung und Kraftaufwand verbunden. Daher bewegt viele Menschen die Frage, wie sie sich das Leben erleichtern können, vor allem, wenn sie schnell erschöpft sind.

Beobachten Sie sich doch einmal einige Zeit selbst. Bei welchen Tätigkeiten arbeiten Sie gegen die Schwerkraft?

Klar, als Sie noch jung waren, haben Sie den Kasten Bier einfach so mit vorgestrecktem Rücken hoch gehoben. Mittlerweile ist es vielleicht empfehlenswert, dabei mehr in die Knie zu gehen oder die Bewegung körpernah auszuführen.

Oder beobachten Sie mal Ihren Kopf! Lassen Sie diesen häufig hängen? Ja?

Dann muss Ihre Nackenmuskulatur gegen die Schwerkraft arbeiten, denn dieses Körperteil wiegt immerhin drei bis vier Kilogramm. Schulter-Nacken-Verspannungen sind somit schon vorprogrammiert!

Sicherlich finden Sie allein noch weitere Beispiele.

Ich wünsche Ihnen bei dieser Form der Körperwahrnehmung viele neue Erkenntnisse und hoffe, dass Sie sich anschließend wohler und entspannter fühlen.

26.4.2021

 

 Hindernisse

 

Manchmal lege ich in meinen Therapiestunden Hindernisse auf einen gedachten Weg. Das können Igelbälle sein, aber auch Seile oder Stöcke.

Dann bitte ich die Patienten, diesen Weg zu gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, die Hindernisse zu überwinden, z.B. kann ich darüber steigen, darauf treten, daran vorbei laufen oder sie aus dem Weg räumen.

Die meisten Patienten finden intuitiv ihre ganz individuelle Lösung... und anschließend Parallelen zu ihrem Lebensweg. Für manche bleibt es aber auch nur ein Parcours zur Übung des Gleichgewichtes und zur Verbesserung der Körperwahrnehmung im Bereich der Füße.

Für die meisten Menschen macht es auch einen Unterschied, ob sie vorwärts oder rückwärts auf dem Weg gehen. Viele wollen nicht rückwärts laufen und auch nicht zurückblicken. Auf ihrem Lebensweg lag in der Vergangenheit zu viel Unschönes, an das sie sich nicht mehr erinnern möchten.

So kann jeder Weg, den wir gedacht in einer Therapiestunde oder draußen in der Natur gehen, ein Symbol für unseren Lebensweg sein und uns die Möglichkeit geben, unser Leben und dessen Hindernisse zu überdenken.

Wir sollten auf alle Hindernisse, die wir in unserem Leben bereits überwunden haben, stolz sein. Sie geben uns die Kraft und die Zuversicht, auch alle Hindernisse, die noch vor uns liegen, zu überwinden.

14.4.2021

 

 Linksfüßer

 

Wissen Sie, ob Sie Links- oder Rechtshänder sind? Vermutlich werden Sie mit "Ja!" antworten. Denn die Hand, mit der Sie schreiben, dominiert.

Doch wie sieht es mit Ihren Füßen aus?

Sportler kennen ihre Füße meistens sehr genau. Für Fußballer dominiert der Fuß, der die Tore schießt (das so genannte Spielbein). Für Leichtathleten und Eiskunstläufer hingegen ist der Fuß am wichtigsten, der die Kraft für einen weiten oder hohen Absprung gibt (das so genannte Standbein). 

In der Fachliteratur habe ich unterschiedliche Angaben darüber gefunden, ob zu einen Rechtshänder ein linkes oder rechtes Standbein gehört. Bei mir ist es z.B. so, dass ich als Rechtshänderin ein linkes Standbein habe.

Da ich viele Jahre lang Eiskunstlauf gemacht habe, fühle ich mich als Linksfüßerin. Ich habe eine diagonale Verbindung in mir, denn wenn ich laufe und den linken Fuß vorbringe, geht automatisch mein rechter Arm mit.

In meinen Therapiestunden lade ich die Patienten ein, selbst herauszufinden, welche Füßigkeit sie besitzen, indem ich sie abwechselnd auf einem Bein stehen lasse. Das Bein, das am wenigsten wackelt, ist das Standbein.

Interessant ist, dass viele Menschen oftmals schon im mittleren Lebensalter Schmerzen in ihrem Standbein haben. Daher möchte ich alle motivieren, Stand- und Spielbein häufiger zu wechseln. Das geht natürlich beim Tanzen ganz prima, aber auch bei allen anderen Bewegungen im täglichen Leben!

8.4.2021

 

 Demenz

 

In der Tanztherapie geht es bei diesem Krankheitsbild darum, was die Patienten noch wissen und können. Und es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie viel das ist.

So singen sie Lieder aus ihrer Kinder- und Jugendzeit oftmals fehlerfrei mit, und beim Improvisationstanz haben sie häufig die kreativsten Einfälle.

Freudig lassen sie sich auf bildhafte Bewegungsspiele ein und sind dankbar für jede Erinnerung, die bei den angebotenen Themen wachgerufen wird.

Sie lernen leicht einfache Choreographien zu bekannten Schlagern und lieben Themen, die sich auf die jeweilige Jahreszeit und anstehende Feiertage beziehen.

Bei Walzermelodien wird begeistert mitgeschunkelt und bei einer Polka schwungvoll mitgetanzt.

Im Entspannungsteil klopfen sie achtsam ihren Körper ab oder genießen eine Massage mit dem Igelball.

Wie viel Freude und seelische Stärkung kann doch auch bei diesen Patienten durch Bewegung und Musik entstehen!

23.3.2021

 

 Trennung

 

Diese Woche muss ich mich von einer Patientin verabschieden, die nach zwölf Einzelstunden die Therapie beenden möchte.

Mir fällt diese Trennung schwer, aber ich muss es akzeptieren, denn jede Therapie hat schließlich einen Anfang und ein Ende und ich bin nur dazu da, Menschen ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten.

Die letzte Stunde hat immer die Trennung zum Thema. Manchmal biete ich den Patienten eine Auswahl an Karten mit verschiedenen Motiven und Lebensweisheiten an. Sie dürfen sich eine aussuchen und sollen dann auf die Rückseite schreiben, welche Therapiestunde ihnen am besten gefallen hat, welche Stärken sie an sich entdeckt haben oder was sie mit in ihr Leben nehmen möchten.

Anschließend gibt es noch einen gemeinsamen Abschlusstanz, bei dem wir uns mit Tüchern verbinden und diese dann langsam lösen.

Mir bleibt die Hoffnung, dass wir weiterhin in unseren Gedanken miteinander verbunden bleiben.

17.3.2021

 

 Ausprobieren

 

Offen sein für Neues... Das ist eine gute Voraussetzung für eine Tanztherapie. 

In meinen Therapiestunden knüpfe ich natürlich an Bewegungen an, die die Patienten schon kennen. Manche haben schon Erfahrungen mit einigen Tanzformen oder mit verschiedenen Entspannungstechniken. Andere wiederum betreiben Freizeitsport oder bewegen sich viel im Haus oder Garten.

Die meisten Menschen lieben Musik und auch hierbei knüpfe ich an Lieder an, die sie kennen.

Bekanntes schafft innere Sicherheit und steht am Anfang einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Therapeut und Klient.

Behutsam und in einem Tempo, das den Patienten gut tut, probieren wir neue Bewegungen und neue Musik aus. Jede neue Bewegung gibt den Patienten die Chance, Neues über sich zu erfahren, z. B. welche, bisher unbekannten Stärken und Ressourcen sie haben.

Manche Patienten meinen, nicht tanzen zu können, dabei haben sie ganz offensichtlich ein gutes Rhythmusgefühl. Und so kann der Fokus allmählich von der eigentlichen Krankheit, die von den meisten Menschen als Schwäche angesehen wird, hingehen zu den Schätzen, die jeder von uns in sich trägt.

Probieren Sie es aus!

16.3.2021

 Putzen

 

Die meisten Menschen putzen ungern. Aber die eigene Wohnung muss man nun doch irgendwann mal reinigen.

Die unliebsame Tätigkeit lässt sich natürlich an andere delegieren...

Aber welche Chance vergibt man sich damit?

Die Chance auf eine Bewegungseinheit so mal zwischendurch und das noch gratis!

Sie werden jetzt bestimmt tief Luft holen und nicht mehr weiterlesen wollen.

Aber geben Sie mir bitte noch etwas Zeit, um es Ihnen zu erklären!

Auch Putzen ist eine Tätigkeit, die Körper, Geist und Seele verbindet und damit eine ganzheitliche Gesundheitsvorsorge.

Nutzen Sie doch die Chance, auch einmal etwas mit links zu tun. Damit schonen Sie Ihren rechten Arm, Ihr rechtes Schultergelenk und schaffen außerdem, so ganz nebenbei, noch neue Nervenverbindungen in Ihrer rechten Gehirnhälfte.

Jede Oberfläche lässt sich achtsam und langsam Streifen für Streifen reinigen. Legen Sie sich dazu Entspannungsmusik ein. Dann tun Sie gleichzeitig noch etwas für Ihre Seele!

Halten Sie Ihren Rücken gerade! Beugen Sie sich so wenig wie möglich nach vorn! Ihre Bandscheiben werden es Ihnen danken.

Nach so einer Putzaktion haben Sie alle Gelenke schonend durchbewegt und Sie sind wieder fit für den nächsten Tag.

8.3.2021

 

 Spielen

 

Das ist doch nur etwas für Kinder!

Aber das stimmt so nicht ganz. Wir Erwachsenen spielen schließlich auch, z. B. Fußball, Tennis, Schach und Skat. Und damit können wir das Spielen ins Erwachsenenalter retten.

In der Tanztherapie spielen wir auch, vor allem mit Bällen unterschiedlichster Größe, Beschaffenheit und Farbe. In der Faschingszeit verwende ich in Gruppen gern Luftballons. Die luftigen Gesellen scheinen ein Eigenleben zu führen! Sie machen selten genau das, was wir wollen.

Im Spiel und Tanz mit den Ballons können wir wieder diese unbekümmerte und phantasievolle Kindheit regenieren und genießen.

Wir können mit den Bällen hüpfen, springen, uns ausstrecken, rennen, uns drehen, bücken und im Kontakt mit anderen Menschen lachen. Das ist doch schon eine ganze Menge an neuen und doch altbekannten Bewegungen, die in unserem Leben schon fast verloren gegangen sind. Nutzen wir doch das Beisammensein mit unseren Kindern oder Enkelkindern, um mit ihnen zu spielen. So kommen wir mit Ihnen in Kontakt, tun etwas für unsere Gesundheit, da wir uns bewegen und schaffen außerdem für uns gleichzeitig freudvolle Erinnerungen an unsere eigene Kindheit.

24.2.2021

 

 Kontakt

 

Viele Menschen fragen sich, wie sie in diesen Corona-Zeiten mit anderen Menschen in Kontakt kommen können. Bei umfangreichen Kontaktbeschränkungen, einem Mindestabstand von 1,5 m und einer Mund-Nase-Bedeckung sicherlich kein leichtes Unterfangen!

Aber unsere Augen sind noch frei!

Also nehmen wir doch vielleicht mehr als sonst Augenkontakt zu anderen Menschen auf!

Wir können auch lächeln, denn es bilden sich Lachfältchen rund um die Augen.

In meinen Therapiestunden für Gruppen müssen die Teilnehmer natürlich auch den Mindestabstand einhalten. Mit Musik und Tanz kann ich aber einen gemeinsamen Rhythmus schaffen und somit Verbindung und Kontakt herstellen.

Oder wir werfen uns imaginäre Bälle zu und fangen diese auf. Oder wir verbinden uns mit Tüchern oder Seilen. Wie viele freudvolle Bewegungen sind doch damit möglich!

Der Kreativität sind auch hier nur die Grenzen gesetzt, die wir uns selbst geben.

Daher möchte ich alle ermutigen, in Begrenzungen auch Chancen zu sehen.

So habe ich mich z. B. im vergangenen Jahr sehr gut in die Organisation von Zoom-Meetings eingearbeitet und kann nun Therapiestunden per Zoom anbieten. Diese Möglichkeit werde ich auch nach der Corona-Krise nutzen, um Menschen in weiter entfernten oder ländlichen Gebieten zu helfen.

23.2.2021

 

 Wertschätzung

 

Was bekommen Menschen in ihrer Kindheit von Erwachsenen zu hören?

Vielleicht:

"Du schaffst das!"

"Das hast du super gemacht!"

Oder:

"Du kapierst das nie!"

"Stell dich nicht so an!"

Aber egal, was Kinder von Erwachsenen hören, sie glauben unbewusst ihr ganzes Leben daran. Und es macht eben einen Unterschied, ob man als Kind gewertschätzt oder gering geschätzt wurde.

Die Wertschätzung kann in den Kindern den Samen für innere Kraft und seelische Stärke legen.

Die Geringschätzung kann den Boden für Selbstzweifel, einen kräftezehrenden Kampf um Anerkennung oder Depressionen bereiten.

Da die Glaubenssätze überwiegend im Unterbewusstsein schlummern, können sie im Rahmen einer Psychotherapie ans Tageslicht gebracht werden.

Ich bitte die Patienten, sich an einen Satz aus ihrer Kindheit zu erinnern, der sie abwertete.

Im nächsten Schritt sollen sie überlegen, welchen Satz sie statt dessen gern gehört hätten. Mit diesem neuen Glaubenssatz dürfen sie nun über einen gedachten "Roten Teppich" schreiten. Ich stehe am anderen Ende des Teppichs und bin plötzlich ziemlich schwerhörig, so dass die Patienten ihren neuen Satz laut und deutlich immer wieder sagen müssen.

Die Kombination aus Sprache und Bewegung kann den neuen Glaubenssatz sowohl im Gehirn als auch in unserem Unterbewusstsein verankern und vielleicht sogar den alten Glaubenssatz überschreiben.

Für die meisten Patienten ist diese Intervention so heilsam, dass sie am Ende der Therapiestunde gleich mit dem nächsten Glaubenssatz weiter machen wollen...

Es kann ein langer und schmerzhafter Weg sein, alle negativen Glaubenssätze aus der Kindheit aufzuarbeiten. Nehmen Sie sich daher für sich selbst soviel Zeit wie möglich. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zur eigenen Wertschätzung.

4.2.2021

 

 Symmetrie

 

Unser Körper besteht aus zwei symmetrischen Hälften. Die Symmetrieachse verläuft von unserem Mittelscheitel nach unten über unsere Nase, den Mund und das Kinn. Dann setzt sie sich weiter über unseren Brustkorb bis hin zum Bauchnabel fort und gelangt von dort zwischen unseren Beinen und Füßen zum Boden.

Wenn wir unsere beiden Körperhälften genau im Spiegel betrachten, können wir jedoch geringfügige Unterschiede feststellen, so ist z. B. bei einem die linke Augenbraue höher als die rechte und beim anderen der rechte Daumen krummer als der linke.

Noch auffälliger sind die Unterschiede allerdings, wenn wir bedenken, was ein Rechtshänder alles mit rechts kann... und wie wenig mit links!

In der Tanztherapie bitten wir Patienten zuerst mit ihrer rechten und dann mit ihrer linken Körperhälfte zu tanzen. Die jeweiligen Wahrnehmungen und Empfindungen werden anschließend in einen Körperumriss hinein gemalt.

Immer wieder sind die Menschen erstaunt, wie unterschiedlich sie ihre Körperhälften im Tanz wahrnehmen.

Und meistens liegen bei Rechtshändern ungeahnte und bisher ungenutzte Potenziale in ihrer linken Körperhälfte.

Probieren Sie es aus!

Vielleicht sind Sie gerade in einer Lebensphase, in der Sie alles nur noch anstrengt.

Aber vielleicht können Sie anschließend einiges mit links tun!

Der Volksmund weiß es schließlich schon lange: Das, was ich mit links mache, strengt mich nicht an, fällt mir leicht und kostet mich nur wenig Energie!

2.2.2021

 

 Atmen

 

Atmen ist unsere erste Bewegung, wenn wir auf die Welt kommen. Wir bekommen sie nicht gezeigt, wir müssen sie nicht lernen, sie setzt von ganz allein ein.

Und was wir auch tun, an was wir auch denken, wir atmen automatisch immer weiter.

Tanztherapeuten verwenden die sogenannten Bartenieff-Bewegungsmuster, die ein Kind von der Geburt an bis zu seinem ersten Lebensjahr entwickelt.

Das erste Bewegungsmuster ist das Atmen. Ich wende dieses basale Muster bei Patienten an, die lernen möchten, sich zu entspannen. Dabei geht es nicht darum, aktiv ein- und auszuatmen, sondern darum, seiner Atmung zuzusehen!

Wir können uns auf unseren Körper verlassen! Er atmet ja auch seit unserer Geburt ohne unser Zutun!

Und das Wunderbare daran ist, unsere Atmung wird automatisch tiefer und langsamer. Und damit signalisieren wir wiederum unserem Körper, dass keine Gefahr besteht und sich die Muskeln entspannen können.

Das klingt einfach... ist es jedoch für viele Menschen nicht!

Denn statt entspannt unserer Atmung zuzusehen, beginnen wir zu denken! Wie viel ist heute, morgen und übermorgen noch zu erledigen...

Aber wir können alles lernen! Übung und vor allem Geduld machen auch hier sozusagen den Atem-Meister!

Mit so einem Faible für das Atmen sehe ich die Masken, die unsere Atmung mehr oder weniger beeinträchtigen, sehr skeptisch. Masken können Infektionswege bis zu einem gewissen Grad unterbrechen... Aber sie machen uns nicht gesünder!

Daher sollte der Fokus darauf liegen, wo wir sie absetzen können.

Genießen wir daher in dieser Zeit so oft wie möglich tiefe Atemzüge an der frischen Luft!

26.1.2021

 

 Loslassen

 

Wenn ich mich von etwas trennen möchte, muss ich es loslassen.

Ach, um wie viel schöner ist es jedoch, etwas zu bekommen!

Und so sammelt man über die Jahre immer mehr an, bis der Lebensrucksack zu schwer wird, kaum noch ertragbar ist.

Und irgendwann fragt man sich, was von dem muss ich loslassen?

Das können materielle Dinge sein, aber auch Menschen, die einen schon zu lange nicht mehr gut tun.

Nur, wie lässt man Menschen los? Man kann sie schließlich nicht in den Abfall werfen oder bei eBay versteigern!

Vielleicht probieren Sie es einmal so: Gehen Sie in einen Wald, an einen Fluss oder in einen Park, wo Sie möglichst ungestört sind. Wählen Sie sich dort einen Gegenstand, der als Symbol für den Menschen stehen kann, vom dem Sie sich innerlich trennen möchten.

Verabschieden Sie sich ganz bewusst von diesem Menschen, den Sie nun als Symbol in Ihren Händen halten. Bedanken Sie sich bei ihm. Vielleicht hatten Sie auch schöne gemeinsame Stunden.

Und dann lassen Sie los! Oder Sie werfen den Gegenstand weg, z. B. in einen Fluss oder See!

Spüren Sie der Erleichterung ganz bewusst einige Zeit nach.

Möglicherweise werden Sie innerlich sehr bewegt sein und ihr Körper wird schmerzen. Legen Sie Ihre Hände auf diese Stelle, und gehen Sie nun achtsam und langsam wieder Ihren Weg nach Hause.

Nehmen Sie sich an diesem Tag frei! Auch seelische Arbeit ist Arbeit!

20.1.2021

 

 Balance

 

Bedeutet Balance auf einem Bein stehen zu können?

Oder auf einem Baumstamm zu balancieren?

Auf jeden Fall brauche ich ein Gleichgewicht zwischen meiner rechten und linken Körperhälfte.

Menschen, die seelisch aus dem Gleichgewicht geworfen wurden, können oftmals auch nicht mehr balancieren oder auf einem Bein stehen.

Sie brauchen etwas zum Anlehnen oder Abstützen. Das kann etwas Unbelebtes sein, ein Tisch oder eine Stuhllehne - oder eben auch ein Mensch!

Um wie viel wertvoller ist ein Mensch!

Nur darf ich mich eben nicht ganz verschließen, weil ich vielleicht im Laufe meines Lebens auch negative Erfahrungen mit Menschen gemacht habe.

Ich muss meinen Bewegungsraum wieder öffnen!

Jeder kann dann selbst ganz bewusst entscheiden, ob er aus seinem Raum hinausgeht oder andere hineinlässt. Diese Entscheidung ist eine innerliche Bewegung und damit der erste, wenn auch kleine Schritt auf dem Weg zur Heilung.

19.1.2021

 

 Einssein

 

Was bedeutet mit sich eins sein für mich?

Ist das die Voraussetzung dafür, diesen Blog zu schreiben?

Ich möchte über Themen schreiben, die mich und vielleicht auch andere bewegen, die in unserem Alltag jedoch leicht untergehen.

Dafür möchte ich eins sein mit mir, damit ich mir erlauben kann, meine innersten Gedanken nach außen zu bringen.

Ich bin meinen Patienten und Klienten dankbar, dass sie oftmals ihre geheimsten Gedanken mit mir teilen. Diese unterliegen selbstverständlich meiner Schweigepflicht!

Wertvoll ist für mich aber, dass ich durch meine Arbeit mit so tiefen, menschlichen Themen in Berührung komme, dass ich mich manchmal nach einer Therapiestunde unglaublich bereichert und beseelt fühle.

Die Tanztherapie lässt den Menschen sehr viel Freiheit, ihre eigenen Wege zu finden. Ich bin nur die achtsame Begleiterin, die offene Fragen stellt und ermutigt, neue Bewegungen und neue Wege auszuprobieren.

Meine wichtigste Aufgabe ist, mich abdingbar zu machen.

Eins sein mit mir, ja ... und achtsam mit allem, was mich umgibt, mit den Menschen und der Natur.

18.1.2021

 

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© Dr. Undine Uhlig, Geretsried